Amtlich: In diesem Jahr wird Marktplatz nicht mehr überdacht!

… dass es deswegen eine Unterschriftensammlung gäbe, ist aber nur ein Gerücht. Das Motto „Gerüchteküche in Rabu – jeder gibt seinen Senft dazu!“ stand schon lange auf der Wunschliste der Narren, denn eine Kleinstadt, in der jeder jeden kennt – oder sollte man sagen: zu kennen glaubt – ist das ideale Mikroklima für das Gedeihen der wunderbarsten Gerüchte. Da wird aus einer Anfangs dünnen Suppe zum Schluss ein ziemlich scharfer Brotaufstrich, denn jeder Radeburger, der etwas auf sich hält, leistet seinen uneigennützigen Beitrag. Eine B-Zeitung ist vergleichsweise nur ein billiger Ersatz.

So beschreibt denn auch die diesjährige Faschingshymne süffisant, wie sich einer auf dem Meißner Berg bei der Gartenarbeit in den Finger schneidet, dass dem dann auf dem Markt schon zwei Finger fehlen und an „der Tanke“ die ganze Hand. Aus einem unglücklichen Sturz im Dunkeln am Rande einer Party in Berbisdorf wurde der Getränkeunfall eines Exprinzen mit einem „abben Ohr“ als Kollateralschaden. Das wurde natürlich reichlich ausgeschlachtet und verwurstet von der närrischen Gemeinde. Wer den Schaden hat, der spottet auch beim Volkskarneval jeder Beschreibung. Allerdings ist nun ein Phänomen, dass ausgerechnet angesichts des heurigen Mottos kaum jemand bereit war, vorab einen Tipp abzugeben. „An Gerüchten beteiligen? Nö!“ Nächstes Jahr ist das dann womöglich wieder unverfänglicher und es wird wieder gewettet, was das Zeug hält. Diesmal war die Nuss, wer denn nun das neue Prinzenpaar wird, auch besonders schwer zu knacken. Zum einen wusste das Prinzenpaar im September selber noch nicht, dass es das wird. Zum anderen weiß Präsident Olaf Häßlich ganz genau, wie die mitratenden Narren ticken. In der vergangenen Saison hatte er noch selbst das Gerücht gestreut, er nehme immer abwechselnd ein Prinzenpaar aus dem Vereinsumfeld und eines aus dem Kreis der Umzugsgruppen. Letztere waren ja schon in der vergangenen Saison dran. Oder hatte er behauptet, er wechsle immer zwischen einem blutjungen Prinzenpaar und einem etwas gesetzteren? Oder war es nicht immer ein Wechsel zwischen Stadt und Ortsteil? Oder hatte er weder das eine noch das andere je behauptet und das sind auch alles Gerüchte? Egal. Das einzige was man an dem neuen Prinzenpaar festmachen kann ist, dass sie langjährige Narren sind, sich beim Karneval kennengelernt haben und seit Jahren der Umzugsgruppe Katja Süß angehören: Ihre Lieblichkeit Prinzessin Katrin I. und Seine Tollität Prinz Ralph II... Äh. Moment. In der Chronik findet sich kein Ralph I. Was ist da los? Das Gerücht machte schon auf dem Saal die Runde, dass es gar keinen Ralph I. gegeben habe. Ein Blick in die Chronik verrät, dass es in der 25. Saison zwar einen gewissen Ralf Leonhard – mit F – gab. Die Schreibweise, so hat man sich mal aufgrund der zahlreichen Christinas und Kristinas geeinigt, ist bei der Zählung nicht das Problem. Vielmehr firmierte, da ihn unter diesem Namen kaum jemand kannte, besagter Ralf Leonhard unter seinem Spitznamen Leo I. Doch gekrönt ist gekrönt und sei es wie es sei: der heurige Ralph bleibt Prinz Ralph II. Auch wer das neue Prinzenpaar noch nicht so gut kennt, wird sich die Nachnamen dazu gut merken können, denn er lädt zum Wortspiel ein. Das Prinzenpaar wohnt nämlich auf dem Berbisdorfer Anbau, also nur ein klein Stück von Radeburg entfernt und deshalb(!?) heißen die beiden mit Nachnamen auch Kleinstück.

Auf dem Markt ging es wieder los

Gekrönt wurden sie bei der 1. Prunksitzung der 58. Saison am Abend des 11.11. auf dem „Hirsch“, den es gerüchteweise auch schon nicht mehr geben sollte. Den Saisonauftakt gab es jedoch schon um 11:11 Uhr auf dem Marktplatz. Mit einigen Sekunden Verspätung – der Elferrat brauchte zu lange, um die dichte Menschentraube an der Showbühne zu durchdringen – läuteten die Böllerschüsse der Radeburger Schützengesellschaft die Saison ein. Es erfolgte die obligatorische Schlüsselübergabe von Bürgermeisterin Michaela Ritter an Präsident Olaf Häßlich. Die Bürgermeisterin tat dies mit einem Hinweis auf einen Schreibtisch voller Aufgaben, die zu lösen ja nun der RCC übernehme. Mit dem Fassanstich hat es diesmal auf einen Hieb geklappt. Die Bürgermeisterin hat dem Vernehmen nach im Ratskeller stundenlang geübt. Es könnte aber auch der Rathauskeller gewesen sein. Und auch mit dem Kinderprinzenpaar Marlene I. und Lennox I. klappte alles. Den Text hatten sie gut drauf und so konnte ab 11 Uhr und Zerquetschte geküsst und geduzt werden, was das Zeug hielt. Also: das behaupten jetzt nicht wir. Auch das Kindergefolge von den Zwergen-Elferräten über die Micro-Napo bis zu der Minni-Garde legte sich mächtig ins närrische Zeug, gefolgt von der kleinen und der schon großen Schülergarde. Und neben Freibier FSK18 soll es diesmal wieder Pfannkuchen FSK0 gegeben haben. Beim abendlichen Prunksitzen soll die Gerüchteküche unter Regie von Mikro und Welle Kullinärrisches auf den Speiseplan gestanden haben. Zwei Radeburger Urfamilien sollen sich beim Duell Bäcker gegen Fleischer gegenüber gestanden, aber sich nichts geschenkt haben. Ferner wird behauptet, dass der Stadtrat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und das Katastrophenschiff „Costa Concordia“ zum Schrottpreis erworben habe, um Radeburg touristisch zu vermarkten. Zur Einbringung des Schiffes in das kommunale Vermögen werde bereits der Stausee ausgebaggert. Stauseenixen, Hutschenelfen und sogar California Girls sollen begeistert gewesen sein. Nach dem abschließenden Duschen soll Ha.Bi (Abk. f. Handtuch-Binder) einige Probleme mit der Logistik beim Handtuchtausch gehabt haben. Aber wie gesagt: alles unbestätigte Falschgerüchte. Apropos... Dollo soll ja endlich verheiratet geworden sein! Ja. Und Heidelinde, die Foto-Eule hat es nicht nur beobachtet, sondern selber fotografiert und soll wie im wahren Leben ein Gruppenfoto mit allen gemacht haben, die mit der Braut geschlafen haben und ein Portrait von allen, die mit dem Bräutigam intim waren. Wer es nicht glauben kann, der besorge sich Karten für die kommenden Saalveranstaltungen! „Ich hab sie alle geliebt!“ Da liegt natürlich Widerspruch nahe: Es lässt sich vermuten, in RaBu wird nicht nur gekocht, sondern jede Menge fettes Brot gebacken, nach einheimischen Rezepten und ohne künstliche Zusatzstoffe – und zwar jedes mal für immer. Die Narrenpolizei durfte diesmal wieder zwei Zugaben geben und bei „Jedes mal für immer“ ganz sicher nur deshalb, weil man als Zuschauer Zeit brauchte, die RaBu-mäßig umgeschriebenen Texte mit dem bekannten Gerüchtekanon abzugleichen. Bis zum anschließenden Morgen konnte jedenfalls die Frage, was wer gesagt hat oder ob wer was gesagt hat, nur mit einem klaren „Weiß ich nicht!“ beantwortet werden. Tja. Typisch. Nun ist der Saisonsauftakt schon wieder vorbeigerauscht wie Rosetta am Kometen, aber wie sich der Lander an den Kometen krallt, halten wir uns an die restliche Saison, die schon am 17. Januar mit Rockfasching weiter geht und – da die Saison kurz ist – im Wochenrhythmus weiter geht bis zu den tollen Tagen, die am Donnerstag, dem 12. Februar, in Radeburgs Gaststätten mit dem wilden Weiberfasching beginnen und über Megaparty und Remmidemmi auf dem Marktplatz direkt zum Umzugssonntag führen.

Unterschriftensammlung für Marktüberdachung

Für die Umzugsgruppen sollte die Geri/üchteküche reichlich Rezepte bereit halten. Schon die „kulinärrische“ Variante bietet die vielfältigsten Möglichkeiten, aus dem Haar in der Suppe eine ganze Perücke zum machen, die Jury mal richtig weich zu kochen, den Braten zu riechen, dem man nicht traut, weil man vielleicht in Teufels Küche gerät. Man kann aus jeder Mücke einen Elefanten machen. Als Umzugsbild wäre aber umgekehrt einfacher. Die narrenjustiziable Variante wäre, mal hart ins Gerücht zu gehen mit Dingen, die man nicht für in Ordnung hält – Windkraft nein Danke, Atomkraft nein Danke, Kohlekraft nein Danke, Wasserkraft nein Danke und an Solarzellen verdienen nur die Chinesen. Und überhaupt! Der ganze Klimawandel ist von Menschen gemacht – die zu viel Zwiebeln essen. Wir protestieren für eine Landwirtschaft ohne Gene! Ach ja, und Radeburg soll seine Autobahnabfahrt verlieren und dafür einen Toilettenparkplatz kriegen. Und schon gehört? Auf dem Meißner Berg parken zu viele Autos. Deshalb sind jetzt verstärkt Autodiebe beauftragt worden, das Problem zu lösen. Von wem? Pst!

Gute Nachrichten sind langweilig. Also trägt man sie in Gerüchtform vor und schon werden die Lauscher aufgestellt. In diesem Jahr wird der Marktplatz nicht mehr überdacht. Na klar. In diesem Jahr war ja schon, aber vom 13. bis zum 15. Februar 2015 steht natürlich wieder das Megazelt.

Radeburger Volkskarneval Überraschung durch die Livestream-Brille: die Jury ist gerecht!

Zum ersten mal seit 35 Jahren habe ich den Umzug nicht live auf der Straße, sondern im Livestream am Computer verfolgt. Der Livestream wurde auf MDR+ übertragen, also nicht im „richtigen“ Fernsehen, sondern im Internet. Die technischen Voraussetzungen sind deutlich geringer, kostengünstiger für den MDR, nichts desto Trotz arbeiten Profis hinter den zwei Kameras, am Regiepult und am Mikrofon. Ich muss sagen: dieser verfremdete Blick auf das Ereignis hat seinen ganz eigenen Charme. Ihr werdet es verstehen, wenn ihr in die Mediathek schaut – den Link findet ihr unten. Erkenntnisgewinn durch „nur dabei, statt mittendrin.“

Ich habe also am Computer wie die Jury und wie MDR-Moderatorin Anja Köbel die Umzugsgruppenliste mit den freiwilligen Angaben der Gruppe und Platz für Notizen. So vote ich für mich mit und schildere nun hier den Eindruck, den der Umzug vom Sessel aus macht, auch ein Bissel mit dem Hintergedanken, dem MDR erklären zu können, dass es sich doch lohnt, den Umzug im „richtigen“ Fernsehen zu zeigen. Über die Moderatorin staunte ich zum ersten nicht schlecht, weil man aus den wenigen Informationen, die die Gruppen auf dem Anmeldebogen von sich geben, nicht viel machen kann. Es war wie auf der Glatze Locken drehen. Sie hatte ein erstaunliches Hintergundwissen und führte unterhaltsam durch den Umzug. Da ziehe ich tief meine Narrenkappe!

Den RCC und seine Bestandteile vorzustellen, war vielleicht noch recht einfach. Es wird das Ritual durchgezogen, angefangen bei den Kinder-Tollitäten bis hin zur Narrenpolizei. Die kleinen Schüler sind gar nicht dabei, warum eigentlich nicht? Weil es den Zug in die Länge ziehen würde? Optisch präsenter wäre das Ganze, wenn alle Garden einen großen Block bilden würden. Ein bisschen Choreographie wäre schön.

Dann kommt eine Phase, wo man zu Hause auf dem Sofa die Chips-Tüte und das Bier holt. Zwischen den langen Wiederholungen der närrischen Gefolgschaften in Form der befreundeten Vereine kommt – ganz anders als wenn man selber auf der Straße steht – an der Mattscheibe jedenfalls „Länge auf“. Beinahe verpasst man dazwischen die kleine, aber feine Gruppe der Simpsons. Die bekommen von mir mal **** (vier Sterne), das wäre am Ende eine Platzierung zwischen 10 und 20. Mal sehen, was noch kommt. Tatsächlich wurden sie exakt Zwanzigster, weil sich herausstellte, dass es wieder einen Niveauschub in der Breite gegeben hat.

Dramaturgisch gesprochen fehlte aber in den ersten 20 Minuten ein echter Knaller. Aussage vom Umzugsaktiv: „die Gruppen haben in der Regel Wünsche, was ihre Startnummer angeht, und wir erfüllen die.“ Nur kommen die dann eben nach einer Zeit, wo man am Fernsehen vielleicht schon weggezappt hat. Umzugsaktiv: Ja, aber wenn die guten Nummern vorn schon kommen, laufen uns die Zuschauer vom Straßenrand weg.“ Auch wahr, aber vielleicht wäre eine bessere Verteilung der Top-Nummern auch mal eine Idee. Dann fängt es langsam an, mit Nummer 16 "Die schweinischen Gerüch(t)e". Im Fernsehen sieht man ein kleines Schweinekarussell auf dem Anhänger, aber ob man das auf der Straße sieht? Ich gebe zum zweiten Mal **** (vier Sterne). Tatsächlich wird es der 22. PLATZ.

Nach dem „Moritzburg Casino“ steigern wir uns weiter. Tolle Hexenkostüme fallen auf, ist aber vielleicht zu wenig? Ich bleibe vorsichtig bei **** - schätze so Platz 10 bis 15, denn am Ende wird es der 8. PLATZ. Vielleicht habe ich die Gruppe zu wenig gewürdigt, weil gleich danach kommt der erste echte Kracher: 19 Haialarm... Dank guter Zuarbeit bei der Gruppenanmeldung kann der MDR mitteilen: „Peter W. Hat nach der Auflösung seines Ladens Fischreste im Röderstausee verklappt – und daraus wurden jetzt diese Monster! Zum ersten mal gebe ich *****, vielleicht ist das am Ende die Nr. 1! - Es wird 3. PLATZ, weil tatsächlich noch zwei bessere Nummern kommen.

Einmal was Negatives darf auch gesagt werden: lieber Spielmannszug Ortsrand (Nr. 20), so geht das nicht. Einige hatten Narrenzeichen, die meisten, vor allem die Kinder, liefen in ihren Alltagsklamotten. Wenn Euch Fasching so wenig Spaß macht, solltet ihr zu Hause bleiben! Das mit Abstand schlechteste, was an diesem Tag gezeigt wurde.

Wiederum eine Nummer zum Mit-der-Zunge-Schnalzen lieferten Uwe Lehmann und Co. (Nr. 26) ab. Sie entdeckten Nessi im Stausee und brachten sie gleich mit. Auch originell: das Boot als Wippe. Sehr sehenswert. www.schwanzgesteuert.de stand bei der Bestie dran, ist das nur ein Fake, habs gleich getestet. Jedenfalls ***** und bisher waren wohl nur die Haie besser. Ich rechne hier mit Platz 4 oder 5, aber das noch so viele gleichwertige Gruppen kommen würden, damit war bis hier nicht zu rechnen. Am Ende wurde es Platz 7.

Erstmals dabei war Annahütte, ältester Karnevalsklub Brandenburgs. Ihre Guggemusikanten hatten schon öfter unser Ohr erfreut, aber am Umzug konnten sie nie teilnehmen, weil sie vertraglich verpflichtet sind, in Cottbus anzutreten. Diesmal startete Cottbus eine Woche früher und so ergab sich die bisher einmalige Chance. So stellt man sich närrisch aufspielende Musikanten vor! Chapeau!

Die 28, die Marionetten, von Gerüchten gesteuert, haben schöne weiße Gesichter, die wie Masken wirken. Eine tolle Interpretation, verdient einen Maskenbildner-Sonderpreis! Dazu ganz tolle Kostüme, Christina Angermann! Der Wagen, liebevoll mit Radeburgmotiven bemahlt, ist trotzdem ein bisschen der Schwachpunkt, denn er sagt nichts zum Thema aus. Ich gebe ****, weil ich aufpassen muss, wir sind noch nicht einmal bei der Hälfte. Es ist ein Grenzfall. Vielleicht genau auf 10? Am Ende wird es Platz 14.

Die Laußnitzer (29) sind seit 60 Jahren berühmt für Weiberfasching und Auskehr am Sonnabend NACH Aschermittwoch, erfahre ich von Anja Köbel. Aha. Wusste ich noch gar nicht.

„Kein Gerücht!!! Es ist wahr - wir sind dabei das letzte Jahr,“ sagt die Gruppe 30 um Sylvia Wachtel, die Moderatorin sagt „um Katrin Wiediger“ - stimmt auch, aber da staune ich. Steht nicht auf dem Zettel! Anja Köbel kennt sich halt aus in der Gegend. Zum letzten Mal sind die Berbisdorfer also dabei und geben eine Reminiszenz in Kostümen ihrer glanzvollen Ära. Ich bewertete das nicht, weil ich dachte, da würde die Jury auch kaum Punkte drauf geben - kein einheitliches Bild usw. Doch, sagt die Jury und vergibt an sie immerhin 12. PLATZ.

Wo es um Gerüchte geht, ist die „Lügenpresse“ nicht fern. Das Unwort des Jahres 14 wird vermieden. Danke. Die tippende Zunft wird aber trotzdem gehörig durch den Kakao gezogen. Die Gruppe 32 mit ihrer Riesen-Druckpresse und den wandelnden Schreibmaschinen tippe ich mit *****, für mich bis hier Platz 2. Am Ende kommt PLATZ 5 heraus. 33 Marktbrunnen als Gerüchtequelle "bester Wagen überhaupt" filigran sagt der Elferrat (toller Text!) tolle Kostüme bis hier 2. Platz für mich, am Ende bei der Jury Platz 3. Auf das gleiche Thema kommt die 51, „Gerüchteküche wie gedruckt“ aus Freitelsdorf! Die zusammengeklebten Zeitungen sind eine Fleißarbeit, Wahnsinn, leider schlecht zu lesen während eines Umzugs. Der Wagen mit der Litfasssäule ist nicht ganz so „vollendet“. Das wird Punkte kosten. Vielleicht knapp vorbei an den Top 20, vermute ich. - Es wird genau Platz 20.

Die Ex-Funkenschnitten (Nr. 34) sind wieder mal ein echter Hingucker. Es ist eine reine Laufgruppe. Solche schaffen es aber selten in die Top10. Also schätze ich ****+, also da ganz vorn. Richtig. Am Ende 11. PLATZ.

Sofort geht der Blick weiter zur 35, dem Gerüchteroulette. Ein meisterliches Gesamtkunstwerk, alles passt zusammen, die Kostüme, der Wagen mit dem gigantischen Roulettetisch, die Roulettehüte. Ganz klar ***** von mir. Am Ende kommt 8.PLATZ heraus. Vielleicht eine Nuance unter Wert. Gleich darauf die Reißschüssel, 36. Was für eine geniale Idee von Frank Grütze Ebersbach & Co., Marshmallows als „vergrößerten“ Reisersatz zu nehmen... Da wir schon so viele Top10 haben, meine ich, andere waren aber bissel besser, ich sehe sie auf dem Level wie die Funkenschnitten, ****+ also ca Platz 10. Die Jury sieht sie auf dem Level des Roulettetischs, also auf dem 8.PLATZ. In Punkten war das eine Stimme Unterschied nach dem Komma. Für die zwei 8. Plätze gab es einen Notendurchschnitt von 1,75. Für den zehnten Platz gab es 1,76.

Nach der laaaaaangen Nummer 40 vom OCC, der repräsentiert ja auch ein langes Dorf, kam dann meine spontane Nummer 1: Die fleischfressenden Pflanzen fallen schon am Horizont auf. Und der Kommentatorin entschlüpft ein "Das ist Richtig cool. Um es vorweg zu nehmen: das wird sie an diesem Abend nicht mehr wiederholen. Für mich spielt die Gruppe Lösche(Gr. 41) inzwischen in einer Liga für sich. Es ist einfach eine geniale Idee mit der riesigen tragbaren Konstruktion, die man jedes Jahr einfach nur neu bezieht, hält man den Aufwand in einem vernünftigen Rahmen und kann trotzdem mit dem jedes Mal neuen „Überzug“ seine Kreativität in die Waagschale werfen. Auch diesmal wieder einzigartig. Aber vielleicht kritisiert die Jury ja das immer gleiche Grundgerüst? Am Ende wird es „nur“ PLATZ 2, mit einer Wertung von 1,24, während der Sieger 1,23 erhält, äußerst knapp. Sportlicherweise wird man damit leben können. Der Unterschied ist eine Zehntelnote eines einzelnen Jurymitglieds, das den Unterschied ausmachte. In den letzten Jahren war es ja oft das Zehntel zugunsten der Löschetruppe.

Nach diesem Hingucker kein Durchatmen. Da kommen mit der 44 die Pippi Langstrümpfe. Seeeehr süß ***** Auch sehr kongenial ihr Klein Häuschen. Ganz klar eine *****-Nummer für mich. PLATZ 13 kam heraus, eine der wenigen, aber dann auch knappen Abweichungen. Vielleicht spielte mit, dass ich aus der Truppe die eine oder andere "Pippi" kenne? Man ist halt auch nur ein Mensch und subjektiv.

Und da kommt mit der 46 schon wieder ein Hexe angeflogen! Sie haben richtig gehört: da flogen Hexen durch die Luft! „Beim gemeinsamen Anschauen in der Mediathek sagte mir einer vom Umzugsaktiv, der es also unmittelbar an der Straße gesehen hat: „die Hexenkostüme von der 33 und das Fluggerät von der 46 wären eine Nummer 1 gewesen. *****plus vergebe ich hier - vielleicht Platz 3, aber dafür kommen ja inzwischen schon einige in Frage. „Ich bin gespannt, wie das die Jury wertet,“ sagt Anja Köbel begeistert. - PLATZ 6 kam am Ende heraus.

Es kommen noch ganz gut „NSA und seine Wanzen“ aus Weißbach (52) und mit Obama, Merkel und Putin, dann die 55, wieder eine Laufgruppe – Hasen mit megafetten Möhren. Das sind, jetzt, da man schon das meiste gesehen hat, so „Um-Platz-20-Kandidaten“. - Richtig! Sah die Jury auch so.

Das jetzt noch was großartiges kommen würde, erwarte ich kaum. Zugucken in dieser Form ist auch anstrengend. Doch dann hauen mich die Kakerlaken (59) aus dem Bürodrehstuhl. „Die Kostüme sind alles selbst geschneidert,“ heißt es mit staunendem Unterton aus dem Lautsprecher. Da könnte es an der Spitze noch mal eng werden. Für die Plätze zwei bis vier gibt es jetzt schon mindestens fünf Anwärter. Lösche steht für mich immer noch drüber. Ich bin mir bewusst, dass das ärgerlich ist, wenn „immer die selben“ gewinnen. Aber es ist doch so: der beste soll auch gewinnen, oder? Gut ich entscheide mich: „das hier ist für mich 2.Platz. Loche ich jetzt mal so ein“. Die Jury votete die Gruppe auf 1., wie oben schon beschrieben.

Nicht unerwähnt bleiben soll Plessa. Die Vereine werden ja nicht mit gewertet und die meisten haben die anfangs schon beschriebenen, sich eben leider immer wiederholenden Formationen. Deshalb kommen sie auch nicht in die Wertung und das wissen sie auch. Besonders die hohen, geschlossenen Wagen sind für die Teilnehmer, die drauf sind, toll, für das Publikum aber eher nicht so und auch im Livestream kam da nicht so wirklich viel Unterhaltsames rüber. Da versteht man ein bißchen, dass damit auf Dauer im "richtigen Fernsehen" nicht so die Quote zu machen ist. 

Ausnahme Plessa. Wenn ihr es nicht glaubt, schaut es Euch an! Die interagieren mit dem Publikum, dass es eine helle Freude ist. Das ist gelebte Karnevalistik. Vielleicht habt ihre es nicht so gesehen, aber vor der Kamera haben die eine richtig tolle Show abgezogen! Aber noch nicht zu Ende war es mit den sehenswerten Nummern. Auch wenn schon die guten Plätze vergeben scheinen, die 61, der RaBu-Flughafen „DDAir“ soll fertig werden noch vor dem von Berlin. Den kompletten RCC-11er Rat schickten sie auf die Reise in einem ganz toll gemachten Flugzeug. „Schön gemacht, wirklich schön gemacht!“ ist aus dem Lautsprecher zu hören. 16.PLATZ scheint mir da doch zu wenig zu sein.

Aber es ist die einzige grobe Abweichung um Juryergebnis. Da muss ich wirklich einmal großen Respekt zollen. Übringens: jede Gruppe ist berechtigt, ein Mitglied in die Jury zu delegieren. Also mehr Gerechtigkeit geht da kaum. Für den einen oder anderen, der sich vielleicht benachteiligt fühlt, gilt auch schon wieder in der nächsten Woche: der Blick geht nach vorn. Vielleicht sind meine Erkenntnisse hier ja auch ein Ansporn, ein Tipp, was man besser machen kann. Die Links stehen in unserer Online-Ausgabe, auch zur Mediathek des MDR, wo man noch eine Weile den kompletten Umzug anschauen und vergleichen kann.

35.000 Zuschauer haben den Umzug mit 71 Festwagen an der Strecke gesehen, einige Tausend im Livestream und in der Mediathek. Die Zusammenarbeit mit dem Sender hat hervorragend geklappt und ich sehe darin einen guten Kompromiss für die Zukunft, vielleicht sieht es der RCC auch so, und vor allem auch jene, die aus den verschiedensten Gründen nicht beim Umzug dabei sein konnten. Erstaunlicherweise war der Umzug diesmal eher zu Ende als gedacht. Hier sind also erfolgreich einige Hemmnisse beseitigt worden. 16:15 Uhr erreichte die letzte Gruppe das Megazelt, gut eine dreiviertel Stunde früher als sonst. Es war der wahrscheinlich schnellste Umzug, seit diese Strecke gefahren wird. Dem Teilnehmer, der in Königsbrück mit dem Umzugswagen verunglückte und dessen Gruppe deshalb nicht in RaBu teilnehmen konnte, wünschen wir auf diesem Wege gute Besserung. Zum Glück sind Unfälle bei unseren Veranstaltungen höchst selten. Allen Helfern am Rande, dem Notarzt, den Sanitätern, der Feuerwehr, den Ordnern ein herzliches Dankeschön.

Also dann bis zum 11.11., 11:11 Uhr, wenn es wieder heißt In-Ra-in-RaBu!

Video: Umzug der 58. Saison

48 Minuten vom Umzug der 58. Saison. Eine Passage mussten wir wegen urheberrechtlicher Beanstandung rausnehmen, was uns sehr Leid tut. Ihr werdet aber zugeben: es war wieder ein tolles Spektakel. Zu den Platzierungen und Wertungen könnt Ihr den Artikel im Radeburger Anzeiger lesen.

Wir freuen uns schon auf den 11.11. 11:11 Uhr auf dem Marktplatz von RaBu!