Das war die 54.Saison: Helden, Mythen und Legenden werden in Rabu nie enden!

Am 11.11.10 hörten wir wieder die unerhörten Böllerschüsse auf dem Marktplatz. Bürgermeister Dieter Jesse rückte den Rathausschlüssel raus, spottete über die leere Stadtkasse und wünschte den Narren viel Glück. Die 5. Jahreszeit war wieder ausgebrochen - mit Kußfreiheit, Duzfeiheit und was alles man sich noch so rausnimmt.
Zum ersten Mal fehlte unser Kurt auf der Bühne. Einen Nachruf findet Ihr hier.

Subventionsfreie Megapartys und prima Klima im Verein


Die tollen Tage begannen mit den wie immer grandiosen Zeltpartys, die wie die meisten anderen Veranstaltungen ausverkauft waren. Auf Neudeutsch heißt das "Hype". Hype ist ein Begriff für etwas, was (zeitlich begrenzt) in Mode ist. Die Mode hält nun schon 10 Jahre und scheint, sogar an Fahrt zu gewinnen, befeuert durch die Neuen Medien.

"Was mir persönlich am Besten daran gefällt, man merkt wie die Menschen in dem Kostüm aufgehen, ja wie sie direkt zu anderen Menschen werden. Sie fühlen sich sicher in ihrer Verkleidung und einige erleben sich so wie sie das ganze Jahr nicht sein können. Ein Bänker der als Nonne geht - einfach mal was ganz anderes sein, sich frei fühlen und nicht immer in einem Anzug herumlaufen und Etikette bewahren, das ist es, was denn Fasching so besonders macht," schreibt LaClaudine in ihrem Blog. Nachvollziehen kann man das alles dann auch noch im Internet, denn in Bildergalerien ist dies alles scheinbar für die Ewigkeit konserviert. Man kann sich in Ruhe alles noch und nöcher ansehen, wenn die Schminke längst ab ist. Damit wird aber die Mühe des "Aufstylens" - also des Schminkens, Markierens und Verkleidens eine weit lohnendere Mühe als nur für einen Tag - und wesentlich mehr Leute können einen sehen. Ob das immer nur gut ist, sei dahingestellt. Aber jedenfalls kommt es an. Fast 500 Narren befreundeten sich seit dem 20. Januar über Facebook mit dem RCC und lebten die närrische Zeit auch in der Parallelwelt des Internets.

Aber sicher nicht allein der Kostümzwang kann Grund sein für das "Funktionieren" einer völlig subventionsfreien Massenveranstaltung - während beispielsweise hoch subventionierte Theater mit spitzenmäßigen Künstlern vor leeren Rängen spielen. Man kann hier spekulieren, aber wahrscheinlich treffen die närrischen Laien immer wieder den Nerv des ebenso närrischen Publikums.

Bei den Auftritten der Jungs um den Spiritus Rector Lars "Dixon" Dickhut geht regelmäßig das Zelt hoch. Wie zu erwarten war "der Junge vor dem Spiegel" die Topnummer, dicht gefolgt von der großen Schluß-Nummer der Napo und der Garde, die eine Super-Choreographie hinlegten, die man doch unmöglich in so wenig Zeit hat einstudieren können, noch dazu, wo man zum Proben das Zelt ja gar nicht zur Verfügung hatte. Dies ist nur denkbar, wenn Harmonie im Verein herrscht, was bei der erreichten Größe keineswegs als selbstverständlich gelten kann. Insbesondere der ?großen" Garde hat man das angemerkt. Die Bilder verraten, daß das Lächeln nicht aufgesetzt ist. Die Mädels strahlen gute Laune aus. Das ist positiv ansteckend - anscheinend bis in den letzten Winkel des Megazelts.

Helden, Mythen und Legenden - aber die Drachen siegten!

Für die Umzugsgruppen gab unter dem Motto "Helden, Mythen und Legenden werden in RABU nie enden" jede Menge Potential, das auch weidlich genutzt wurde. Legenden von Rabu gibt es außer Kurt ja noch die Menge. In der Prunksitzung wurde u.a solcher Helden gedacht wie Schweinereiter, Rasselbock, Gurke und Sautot. Beim Umzug gedachte man aber noch weiterer - die Gruppe Rayko Brosch z.B. dem nahezu jedem Einheimischen bekannten legendären Oberstudienrat (Nr. 58). Alteingesessene, wie Christina Angermann und Gruppe 12, wissen auch, dass der "Hirsch" einst unter dem Namen "Blauer Hirsch" das Stammlokal der Casinogesellschaft war, die den ersten Fasching in Radeburg feierte (Platz 6). Ja, na klar, haben wir auch unsere Helden der Arbeit, wie in der Gruppe Ines Schneider (Nr. 37), deren Arbeit mit Platz 2 belohnt wurde und unsere KIM - die in Form der LegenTen wieder auferstand. Die Gruppe 46 - Lothar Lucke schaffte es damit auf einen der drei 19. Plätze, die Gruppe Marlen Drobisch aus Ebersbach (Nr. 64) kam auf Platz 17. Und die Schmalspurbahn ist legendär, die nach Ansicht von Uwe Merkwirth & Co. mit Nr. 23 von Rabu über Ebersbach bis Pristewitz verkehren sollte. Die Gruppe hatte tolle Fahrzeuge gewerkelt. Leider war der Auftritt der Gruppe etwas zu mau, weshalb die Jury hier leider, leider keine Platzierung unter den besten 20 zustande brachte. Aber gut. Ende der Heimatkundestunde.

Wem weniger zu seiner Heimat einfiel, weil er in seiner Kindheit vielleicht gezwungen war, Bücher zu lesen oder vor der Mattscheibe zu hocken, dem kamen Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Frau Holle und andere Märchen der Gebrüder Grimm in den Sinn - wie der Nr. 60 - Gruppe Reiko Lehmann, Berbisdorf, die damit auf Platz 18 landete. Aber als Protagonisten der Heldensagen haben Drachen ganz klar den Sieg davon getragen - mit Platz 1 für die Gruppe Lösche aus Radeburg (Nr. 33) und dem Überraschungs-Dritten, "Waldrauschen" aus dem Haselbachtal (65). Die Königsbrücker Wikinger (Nr. 39 - Platz 4 und Nr. 48) wurden ebenso platziert wie die übrigen Helden der Welt: Manuela Theile aus Bärwalde mit Dschingis Khan (Nr. 38) kam noch auf Platz 19. Inkas, Mayas und Azteken (45), Petroleum-Mietzen (53), Wärnä Beinhard (50) und vor allem nach dem närrischen Treiben jede Menge Müde Helden (49). Dracula (66)  oder Winnetou und Manitou (17) oder Gagarin (13) gingen diesmal leider leer aus, versuchen es aber sicher in der nächsten Saison wieder.

Um Ocean`s Ten (Gruppe Sandy Partusch, Nr. 27) tat es selbst Olaf Häßlich Leid. Auf Platz 22 direkt hinter den drei vor ihnen auf Platz 19 liegenden Gruppen wurden sie 10 mal besser bewertet als diese und nur 9 mal schlechter. Ausschlaggebend waren dann die "kleinen Punkte" - und da fehlte der reinen Laufgruppe vielleicht noch ein zentraler Blickfang.

Der RCC hatte diesmal extra eine Neuerung eingeführt um noch gerechter zu werten. Die Gruppen durften selber Vertreter in die Jury entsenden. Aber aus der Ergebnisliste, die RAZ vorliegt, ist abzulesen, daß sich am Ergebnis durch die ?Neuen" fast nichts geändert hat. In den Top 10 gab es "Dank" der neuen Juroren einen einzigen Platztausch im Mittelfeld und die drei zufälligen 19. Plätze. Die Platzierten hier wären auf Platz 19 bis 21 verteilt gewesen.

Dana Kräger von den Ocean's 10 schrieb dazu auf Facebook: "Jurybewertungen hin oder her. Die Plätze stehen fest und zu ändern ist das Ergebnis jetzt auch nicht mehr. Ich ärgere mich auch über unseren nur Platz 22. Schade, aber als reine Laufgruppe biste vielleicht eine Nummer zu klein um gut bewertet zu werden. Die ganze Mühe mit Kostüme nähen, Perücke gestalten usw., aber das Publikum fand uns spitze und die vielen Bilder von uns wie z.B. das Titelbild auf der DNN oder beim MDR sagen uns 10 Mädels doch das wir gut waren. Beim nächsten Umzug sind wir wieder dabei und dann lassen wir es wieder krachen auch wenn wir nur eine Laufgruppe aus 10 Mädels sind." Dem kann man sich nur anschließen. Das ist der närrische Spirit von Rabu.

Aber auch für Barbie und Ken aus Großdittmannsdorf (Nr. 44), die Schlümpfe aus Gräfenhain (Nr. 47), Apollo 11 mit Diana Widiger (Nr. 54) und die T(h)rillerpfeifen von Friedericke Haußmann (Nr. 55) war die Teilnahme, die ja auch zu bevorzugten Zeltkarten berechtigt, entscheidend. Und alle haben in Rabu Spuren hinterlassen.

Kölnerin: "Karneval ist das ja nicht wirklich"

Dann das ganz große Kino - der Umzug. Zum Glück steht jeden Morgen jemand auf, der was zu meckern hat - falls man mal nicht wüßte, was man über den Umzug schreiben sollte...

So ließ sich doch eine Kölner Jeckin herab, folgendes dem RCC ins Gästebuch zu schreiben: "Wir als Kölner wohnen nun seit 2 Jahren in Dresden und waren uns heute das erste Mal den Zug in Radeburg anschauen. Karnevalszug ist das ja nicht wirklich. Keine Karnevalsmusik, zu karrig um richtig was zu werfen, obwohl Ihr doch mit dem Eintritt genug verdient habt. Das war die größte Schande. Für so was sollte man sich echt schämen. Würde man in Köln Eintritt verlangen, würden die sich dumm und dämlich verdienen. Und die schmeissen da nicht nur mal 1 Bonbon obwohl se alles selbst zahlen müssen.Ihr könnt Euch hier vom RICHTIGEN Karneval eine fette Scheibe abschneiden, davon seit ihr noch meilenweit entfernt."

Dieser Kommentar lößte eine Welle an Statements aus. Deshalb können die Narren von Rabu für die Steilvorlage nur Danke sagen.

"Wenn sich jedoch Köln mit 1 Million Einwohnern und 1 Million närrischen Gästen nur annähernd mit dem 5000-Seelen-Kaff Radeburg messen wollte, nur um mal die Leistung realistisch zu vergleichen, dann müsste Köln 10 Millionen Gäste verkraften", heißt es da.

"Wir, 4 Belgier," Schreibt V. Bart, auch aus Dresden, "wohnen zeit 2 Jahren in Dresden und sind schon zum 2. Mal dabei. Sehr schön und mega cool. Das schönes Wetter war kostenlos dabei. Viel Lob an den Verein."

Schakira-Ostara aus Radebeul fügt hinzu: "Köln beschwert sich über RABU: ??? Ju, wie nennt man so was - Tellerrandmentalität. Ihr seid die ersten Kölner, die ich so erleben muß. Tut mir leid, von wegen nix bezahlen in Köln beim Umzug - die Plätze an den Straßen werden alle verkauft, und wer das nicht weiß oder nicht dran kommt, sieht nur eines: NIX. Punkt. Ich schätze den Kölner Umzug wegen seiner Uniformkultur, vor allem Jan von Werth, aber das war es auch schon. Ansonsten - stinklangweilig! Das einzig gute was der Kölner Karneval wirklich hervorbrachte - das Colonia-Duett und die Stunksitzung, die sich dies Jahr aber locker den Rang vom Bonner Pink-Punk-Patheon ablaufen lassen mußte... Und noch was: an den Morgenstreich in Basel kommt auch Köln nicht ran. - Wenn Ihr nicht damit leben könnt, daß es nicht nur den Kölner Karneval gibt und die alte Rivalität mit Düsseldorf, dann bleibt doch wo der Pfeffer wächst! Ich habe unter Garantie mehr Karneval erlebt und gesehen als Ihr, und es ist das Tolle am Karneval, daß er Allerorten soooo verschieden gefeiert wird." Besser kann man es kaum sagen.

Eine noch längere Liste an Kommentaren landete auf unseren Facebookseiten.

Bilder der närrischen 54. Saison

Die Kindergartentollitäten Prinzessin Lilly I & Prinz Vincent I und das Prinzenpaar der 54. Saison, Prinzessin Gaby I & Prinz Uwe I bedanken sich herzlich bei allen Närrinnen und Narren aus Nah und Fern für die Begeisterung und die tolle Stimmung. Unvergessliche Tages liegen hinter uns! Wir laden herzlich ein, die Bilder dieser tollen Zeit revuepassieren zu lassen.